| Text | Referat im Kreis der Lektor/innen und Prädikant/innen
im Kirchenbezirk Lahr Juli 2000 |
gewerbliche Nutzung nur nach Zustimmung des Autors |
|
|
Die Bibel als Maßstab in ethischen Fragen
Grundsätzliche Überlegungen konkretisiert am
Beispiel Homosexualität
Die Bibel als Orientierungshilfe in ethischen Fragen - dies ist eine immer aktuelle Frage für Christen, die für die Gestaltung ihres Lebens die Bibel als Maßstab sehen - und erst recht für eine Kirche, die sich allein auf die Bibel gründen will. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, die Frage, wie die Bibel uns Orientierung in ethischen Fragen geben kann und soll, vorschnell und damit unzureichend oder gar falsch zu beantworten.
Aus dieser Einsicht wird nun oft die Folgerung gezogen, dass die antiken Moralvorstellungen der Bibel der heutigen Situation nicht mehr angemessen seien und deshalb heute keine Relevenaz mehr beanspruchen könnten. Die Bibel als ethischer Orientierungsmaßstab wird damit aufgegeben. Aber auch dieser Weg ist problematisch. Denn damit entsteht die Frage, an welchen ethischen Werten und Normen wir uns denn überhaupt orientieren sollen. Leider ist bei einer solchen pauschalen Zurückweisung der Bibel dann oft zu beobachten, dass man sich schnell an den Normen und Werten des Zeitgeistes orientiert und gar nicht mehr nach der Begründung und Berechtigung dieser scheinbar so evidenten - weil eben dem Zeitgeist entsprechenden - Normen und Werte fragt. Für eine Kirche, die sich auf die Bibel gründen will, ist dies fast ein noch schlimmeres Vergehen als ein unreflektierter Biblizismus.
Das Gebot, Gott zu lieben und ihn als einzigen Gott zu achten, an ihn zu
glauben und ihm zu vertrauen. Es gilt in alt- wie in neutestamentlicher Tradition
als das Hauptgebot (1. Gebot des Dekalogs - 2.Mose 20,2+3; 5.Mose 5,6+7;
Höre Israel - 5. Mose 6,4+5; Doppelgebot der Liebe bei Jesus - Mk.12,29+30parr).
Dieses Gebot richtet sich u.a. dagegen, andere Größen zu vergöttern,
indem sie für allein maßgeblich gehalten werden.
Das Gebot, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst (vgl. Mk.12,31parr)
oder auch in der Fassung der Goldenen Regel (Mt.7,12): "Alles, was ihr wolt,
dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch." Beide Formen des Liebesgebotes
gelten als Zusammenfassung der sogenannten zweiten Tafel des Gesetzes, in
der die sozialen Gebote des Dekalogs stehen (vgl. Röm.13,9+10). Nächstenliebe
fragt dabei nach dem, was der andere braucht und was ihm gut tut (vgl. das
Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner - Lk.10,25-37). Sie hat keine Grenze,
so dass sie auch die Feindesliebe einschließt (Mt.5,38-48).
Das Gebot, dem Frieden zu dienen und für soziale Gerechtigkeit einzutreten.
Dies erhält in der Bibel den besonderen Akzent im Gebot, die Schwachen
besonders zu schützen und ihnen besondere Aufmerksamkeit entgegenzubringen,
seien es nun soziale Randgruppen (Witwen und Waise), religiös Deklassierte
(Zöllner und Sünder), materiell Schwächere (Arme, Verschuldete),
Alte und Kranke, Fremde und Ausländer. Im Alten Testament gibt es schon
eine Reihe von Schutzbestimmungen für Schwächere (Gebot, die [alt
gewordenen] Eltern zu ehren - 2.Mose 20,12; 5.Mose 5,16; Hilfe für Arme
- 5.Mose 15,7-11; Schutz für Fremde, Waisen und Witwen - 2.Mose 23,9;
5.Mose 24,17+18+20-22), im Neuen Testament wird diese Grundhaltung durch
Jesu Zuwendung zu Menschen, die am Rand stehen, fortgeführt. So lässt
sich sagen: Die Bibel vertritt eine Option für die Armen und Schwachen,
d.h. sie versucht gerade die Rechte der Armen und Schwachen besonders zu
beachten, da diese am ehesten unberücksichtigt bleiben.
Das Gebot, die Schöpfung als gute Gabe Gottes zu achten, sie zu bewahren
und sie vor unnötiger Zerstörung zu bewahren (1.Mose 1,28; 2,15).
Damit verbunden ist das Gebot, den Sabbat als gute Gabe Gottes für die
Menschen zu achten (2.Mose 20,8-11; 5.Mose 12-15), ohne ihn zum drückenden
Gesetz zu machen (vgl. Mk.2,27).
Dabei stehen diese Gebote in einem Begründungszusammenhang, der von Gottes gutem Willen gegenüber dem Menschen ausgeht. Dafür sind besonders folgende Überlegungen besonders wichtig:
Gott hat die Welt geschaffen und damit den Menschen einen guten Lebensraum
gegeben (1.Mose 1,31). Der Mensch hat als Gottes Ebenbild eine einmalige Würde,
die ihm durch sein Geschöpf-Sein zukommt und die unabhängig ist
von seinen Fähigkeiten und Leistungen. Zugleich steht er damit Gott
gegenüber in der Verantwortung.
Gott will für alle Menschen das Gute (1.Tim.2,4), allen bietet er Vergebung
von Sünde und Schuld und Erlösung von den Mächten des Unheils
und des Todes an (Joh.3,16), alle sind dazu berufen in Gemeinschaft mit Gott
zu leben und damit zur Erfüllung und zum Glück zu finden. Bei Gott
soll niemand verloren gehen (vgl. Luk.15). Dabei ist vorauszusetzen, dass
menschliches Handeln danach streben sollte, dem Handeln Gottes zu entsprechen
(vgl. Phil.2,5).
Gott hat für die Welt eine Zukunft des Heils und des Glücks, er
wird seine Herrschaft aufrichten und die Herrschaft von Tod und Unheil überwinden
(vgl. Offb.21,1). Auf diese Zukunft hin sind die Menschen, die Gott vertrauen,
bereits jetzt ausgerichtet (vgl. Mt.6,33). Menschliches Handeln soll damit
dem Himmel auf Erden den Weg ebnen, ohne dass es unter dem Druck steht, den
Himmel auf Erden verwirklichen zu müssen. Alle Ordnung und alles Recht
wird damit als vorläufig qualifiziert und in Anspruch dafür genommen,
dem zukünftigen Reich Gottes - so sehr es unter gegenwärtigen Bedingungen
möglich ist - zu enstprechen. Darum sind auch nicht bestimmte, gegebene
Ordnungen, Lebens- und Rechtsformen mit einem Ausschließlichkeitsanspruch
als gottgewollt zu bezeichnen. Dies widerspricht einer ethischen Tradition,
die bestimmte Ordnungen wie den Staat oder die Ehe als mit der Schöpfung
gegebene und damit von Gott gesetzte Ordnungen ansieht. Ein solcher Ansatz
übersieht allerdings, dass die faktische Ausgestaltung von Staat und
Ehe seit biblischen Zeiten sich derart verändert hat, dass die antiken
Ordnungsvorstellungen nicht einfach auf die Gegenwart zu übertragen
sind. Darum ist es problematisch, von "Schöpfungsordnungen" als ethische
Grundkategorien auszugehen.
Wird ein solcher Durchgang in vier Schritten vorgenommen, so kann ein ethisches Urteil beanspruchen, an der Bibel orientiert zu sein. Dies gilt auch dann, wenn - im Einzelfall, der sicher die Ausnahme ist - ethische Entscheidungen getroffen werden, die biblischen Traditionen und Aussagen direkt widersprechen. Dies war schon öfters in der Geschichte der Kirche der Fall: so bei der christlichen Kritik an Sklaverei und Todesstrafe oder etwa bei der christlich motivierten Gleichstellungen von Frauen und Männern und der Zulassung von Frauen zu allen Diensten in der Kirche.
In der Auslegung der Bibel - und so zum Beispiel auch in der Predigt -
ist es durchaus möglich, einzelne biblische Weisungen direkt auf die
Gegenwart zu beziehen, ohne jeweils den oben beschriebenen Weg in vier Schritten
für die Zuhörer aufzuzeigen. Allerdings muss die vorgenommene Auslegung
einer Überprüfung durch das oben beschriebene Verfahren standhalten.
Dass ein solches Verfahren nicht mechanisch anzuwenden ist, sondern immer
Interpretationsspielräume bleiben, die verschiedene ethische Optionen
ermöglichen, dürfte selbstverständlich sein. Auch um das ethische
Urteil im Namen der Bibel muss - wie um die richtige Bibelauslegung überhaupt
- gestritten werden. Allerdings ist auch deutlich, dass das oben beschriebene
Verfahren nicht einfach beliebige ethische Urteile im Namen der Bibel zulässt,
sondern die Bibel als einen wirklichen ethischen Maßstab erschließt.
Das Alten Testament spricht über Homosexualität nur sehr selten. Im sogenannten Heiligkeitsgesetz im dritten Buch Mose heißt es: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Greueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen." (3.Mose 20,13; vgl. 18,22).
Auch im Neuen Testament wird Homosexualität nur in paulinischen Briefen erwähnt (1.Kor.6,9-11; 1.Tim.1,10, Röm.1,26+27). Die ausführlichste Aussage findet sich im Römerbrief: "Darum hat Gott sie (die Nichtjuden) dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen."
Diese biblischen Aussagen zur Homosexualität sind nun in ihrem historischen Umfeld zu betrachten. Homosexuelle Praktiken in der Antike sind meist Handlungen ansonsten heterosexuell lebender und meist auch verheirateter Männer an jüngeren Männern oder gar Jugendlichen, die sogenannte Knabenliebe (vgl. 1.Kor.6,9-11; 1.Tim.1,10). Solche Praktiken sind von einem starken Ungleichgewicht geprägt und steigern das Selbstbewusstsein des erwachsenen Mannes. Der Sexualpartner wird dabei benutzt. Dass auch im Alten Testament homosexuelle Praktiken als Demütigung des passiven Teils verstanden wurden, zeigen zwei altertümlich anmutende Erzählungen. So wird 1.Mose 19 erzählt, wie sich die Männer von Sodom auf die Gäste Lots stürzen wollen, um sie sexuell zu missbrauchen. Eine ähnliche Szene schildert auch Richter 19,22-26.
In der Antike begegnete homosexuelle Praktiken häufig im Zusammenhang mit heidnischen Kulten. Darum ist es nicht zufällig, dass Homosexualität im Alten Testament als eine Greueltat bezeichnet wird. Dieses Stichwort wird ansonsten für die Verehrung heidnischer Götter verwendet. Auch bei Paulus ist Homosexualität charakteristisch für heidnische Kulte, denn Homosexualität ist für ihn an die heidnische Lebensform gebunden, von der die Christen Abstand zu nehmen haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die wenigen direkten biblischen Aussagen zur Homosexualität haben homosexuelle Praktiken im Auge, bei denen der eine Partner den anderen benutzt. Sie sehen Homosexualität im Zusammenhang mit Götzendienst. Sie setzen voraus, dass homosexuelle Praxis das Ergebnis einer Willensentscheidung von Menschen ist, die auch heterosexuell leben könnten, aber "den natürlichen Verkehr vertauscht" haben.
Zu ergänzen sind zwei Splitter in der biblischen Überlieferung, die gerne als biblische Rechtfertigung für Homosexualität verwendet werden. So werden in der Beziehung zwischen David und seinem Freund Jonatan häufig homoerotische Untertöne entdeckt, da David in seiner Totenklage sagt: "Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonatan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist." (2.Sam.1,26 - Lutherübersetzung). Schließlich wird auch Jesus eine tolerante Haltung gegenüber Homosexualität unterstellt, da er bedingungslos bereit ist, den Knecht des römischen Hauptmanns von Kapernaum zu heilen (Mt.8,5-13parr), wo er doch annehmen musste, dass es sich dabei um einen sogenannten "Lustknaben" handeln könnte - andernfalls wäre das Eintreten eines Hauptmanns für einen Knecht recht ungewöhnlich. Aus beiden Stellen eine biblische Rechtfertigung für Homosexualität zu begründen, dürfte jedoch zu weit gehen.
Homosexualität wird in den biblischen Texten als Tat verstanden, die aus freiem Willen heraus begangen wird und die auch unterlassen werden könnte. Genau deshalb kann sie auch als Sünde verstanden werden. Die Willensfreiheit ist also gerade Voraussetzung, um eine Tat als Sünde zu bezeichnen.
Christliches Leben ist vom Dank für das Geschenk des Lebens bestimmt. Dieser Dank an Gott schließt auch die Bereitschaft zur verantwortlichen Weitergabe des Lebens ein. Da dies nur in heterosexuellen Partnerschaften geschehen kann, ergibt sich ein Ungleichgewicht zwischen heterosexuellen und homosexuellen Beziehungen. Von diesem Gedanken aus ergeben sich Vorbehalte, homosexuelle Partnerschaften den heterosexuellen Partnerschaften völlig gleichzustellen.
Bei der Gestaltung von Beziehungen kommt es ganz entscheidend darauf an, dass diese von Liebe geprägt sind. Die Liebe versucht dem anderen Achtung entgegenzubringen und verzichtet auf Unterwerfung und Demütigung. Liebe in einer Partnerschaft ist zugleich angelegt auf Dauer und Treue - dies ist der Sinn des biblischen Verbots der Ehescheidung.
Homosexuelle Anteile und homoerotische Tendenzen finden sich - in unterschiedlich starker Ausprägung - bei allen Menschen; wie auch männliche und weibliche Hormone bei Männern und Frauen verhanden sind. Warum nun bei einigen Menschen - und zwar in allen Kulturen und Epochen - homosexuelle Neigungen überwiegen, ist umstritten. Von einigen Medizininern werden genetische Ursachen angenommen, bei anderen wird die frühkindliche Prägung als ausschlaggebend angesehen. Eine erfolgreiche hormonelle Therapie zur "Heilung" von Homosexualität gibt es nicht, ob psychotherapeutische Ansätze zur "Heilung" von Homosexualität möglich sind, wird unterschiedlich beurteilt.
Auf jeden Fall gilt: viele homosexuell geprägte Menschen finden sich in ihrer sexuellen Orientierung vor, bevor sie sich ihrer Geschlechtlichkeit voll bewusst sind. Sie gehört also zu ihrer menschlichen Konstitution. Viele Homosexuelle können darum ihre Homosexualität nicht beeinflussen, sondern nur verschiedene Möglichkeiten entwickeln, mit ihr zu leben. Ihre homosexuelle Ausrichtung ist für viele Homosexuelle keine Frage des freien Willens und der Entscheidung.
Auf Grund des gesellschaftlichen Drucks, den Homosexuelle (immer noch) erfahren und auf Grund der Wahrnehmung, dass sie nicht zur Mehrheit der Bevölkerung gehören, haben viele homosexuell ausgerichtete Menschen größere Probleme, ihre eigene Identität auszubilden. Weil sie in homosexueller Partnerschaft auch keine Kinder bekommen können, ist ihre Suche nach Lebenssinn noch zusätzlich belastet.
Inzwischen haben sich die westlichen Gesellschaften so verändert, dass Homosexuelle in bestimmten Nischen der Gesellschaft leben können. Dabei zeigte sich, dass auch Homosexualität mit dauerhaften Partnerbindungen und mit einer von Liebe geprägten Gestaltung der Beziehung vereinbar ist. Reife Partnerbeziehungen sind für Homosexuelle ebenso möglich wie für Heterosexuelle. Dass sie statistisch gesehen weniger oft gelingen mögen, lässt sich vielleicht mit dem gesellschaftlichen Druck erklären, den homosexuelle Partnerschaften immer noch durchzustehen haben.
Die ethische Beurteilung von Homosexualität, die sich in der Bibel findet, richtet sich gegen eine Form der Sexualität, in der der schwächere durch den stärkeren Partner ausgenutzt wird. Ein solches Abhängigkeitsverhältnis der Partner gibt es auch in heterosexuellen Beziehungen. Es widerspricht dem Liebesgebot und ist zu verurteilen.
Wenn Homosexualität eine geschöpfliche Eigenschaft von Menschen sein kann, die genauso zu beurteilen ist wie die Hautfarbe oder eine musikalische Begabung, dann folgt daraus, dass Homosexuelle nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden dürfen. Da dies aber weitgehend der Fall ist, hat die Kirche - weil es ihre Aufgabe ist, für Schwache und Benachteiligte besonders einzutreten - für Homosexuelle Partei zu ergreifen und sie zu unterstützen. Dies schließt ein, dass sie ihre eigene Beteiligung an der Diskriminierung Homosexueller eingesteht und sich zu dieser Schuld bekennt.
Wenn Homosexualität eine geschöpfliche Prägung des Menschen ist, kann sie auch von Gott in Dienst genommen werden. Darum muss die Kirche auch homosexuelle Partnerschaften als schöpfungsgemäße Partnerschaft anerkennen, denen Gottes Segen verheißen ist. An homosexuelle Partnerschaften sind dieselben Kriterien anzulegen wie an heterosexuelle. Partnerschaften werden dann dem Willen Gottes gemäß gestaltet, wenn sich die Partner um Treue und Verbindlichkeit, gegenseitige Achtung und Rücksicht, Liebe und Geduld miteinander bemühen. Aus dieser Beurteilung der Homosexualität folgt, dass die Kirche auch homosexuellen Paaren Gottes Segen zusprechen kann, wenn diese ein dauerhaftes und partnerschaftliches Zusammenleben eingehen möchten.
Dies heißt allerdings nicht, dass der Staat homosexuelle Partnerschaften der Ehe gleichstellen sollte. Denn die eheliche Gemeinschaft schafft einen Rahmen, in dem Kinder gezeugt und geschützt aufwachsen können - dies kann eine homosexuelle Partnerschaft nicht leisten. Dennoch ist es für den Staat geboten, homosexuelle Partnerschaften zu schützen (z.B. gegenseitige Erbberechtigung, Anerkennung als Angehöriger bei Besuchs-, Auskunft und Wohnrechten).
Schließlich sollen auch Menschen, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen, kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sein können.
Die biblische Beurteilung von Homosexualität als Sünde ist - um der Treue zu den Grundlinien der Bibel willen! - abzulehnen. Allerdings ist aus ihr eine kritische Beurteilung sexueller Praktiken zu übernehmen, bei denen derart einseitige Beziehungsmuster vorliegen, dass ein Partner den anderen ausnutzt.
| Vorzunehmende Schritte, um ethische Urteile an biblischen Aussagen zu orientieren | |
| 1. Schritt:
Die Bedeutung biblischer Weisungen in der Zeit ihrer Entstehung und Überlieferung wahrnehmen |
Folgende Fragen sind zu klären:
- was wurde durch die biblischen Weisungen genau geboten oder verboten? - welche Auswirkungen hatte dies auf die Betroffenen? - wie werden die biblischen Weisungen begründet? - welche vergleichbaren Normen und Werte gab es in der Umwelt und unterscheiden sich die biblischen Weisungen davon? |
| 2. Schritt:
Die ethischen Grundlinien der Bibel und ihre Begründung erfassen |
Wichtige ethische Grundlinien
der Bibel: - Gott lieben und ihm vertrauen - den Nächsten (einschließlich dem Feind) lieben wie sich selbst - für Frieden und Gerechtigkeit eintreten, dabei Option für die Armen und Schwachen - Schöpfung bewahren - Sabbat heiligen Wichtige Begründungszusammenhänge für biblische Weisungen:
|
| 3. Schritt:
Die gegenwärtigen Bedingungen und Einsichten wahrnehmen |
Folgende Fragen sind zu klären:
- welche gesellschaftliche, sozialen, politische, wirtschaftliche und psychologische Faktoren spielen eine Rolle? - welche Sachzwänge sind zu berücksichtigen und sind es echte Sachzwänge? - welche Personen und Personengruppen sind beteiligt und betroffen? - wie ist die Rechtslage? - gibt es wissenschaftlichen Einsichten, die zu berücksichtigen sind? |
| 4. Schritt:
Ein ethisches Urteil fällen, das sich an biblischen Grundlinien und gegenwärtigen Bedingungen und Einsichten orientiert |
Die möglichen Verhaltensalternativen
sind genau zu beschreiben
Sie sind auf dem Hintergrund der biblischen Grundlinien und der gegenwärtigen Bedingungen und Einsichten zu beurteilen. |