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Geschichten,
Erzählungen, Gleichnisse, Krippenspiele
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Hauptseite der Evangelischen Kirchengemeinde Schmieheim und Wallburg |
Anders als erwartet - Krippenspiel für einen Familiengottesdienst an Weihnachten (anstelle einer Predigt)
Die Darsteller/innen sollten Jugendliche oder Erwachsene sein. Das Krippenspiel kann unterbrochen werden von
Gemeindeliedern.
Uraufgeführt in Schmieheim
am 24.12.1999
Rollen:
E=Erzähler
M=Maria
J=Josef
W1 = erste Wirtin (Dienerin des reichen Kaufmanns Josaphat)
W2 = zweite Wirtin (Dienerin des frommen Elieser)
W3 = dritte Wirtin (geizige Gastwirtin)
W4 = vierte Wirtin (Adlerwirtin. Besitzer des Gasthauses Adler)
H1 = erster Hirte
H2 = zweiter Hirte
H3 = dritter Hirte
Die Wirtinnen stehen an vier Positionen auf der Empore; Maria, Josef
und die Hirten bewegen sich unten im Kirchenschiff, auf einer Bühnenplattform
und vorne im Altarraum. Der Erzähler liest von der Kanzel. Flötengruppe
an der Orgel
1. Szene: Maria und Josef machen sich auf den Weg
Beleuchtung in der Kirche geht aus. Maria sitzt auf einem Schaukelstuhl auf der Plattform. Josef vor den Bänken am Boden. Licht noch aus.
E Es war zur Zeit, als die Römer das Land Israel regierten. Hart lastete ihre Herrschaft auf dem Volk. Hohe Steuern waren zu zahlen. Soldaten trieben sie ein mit roher Gewalt. Wer nicht gehorchte, dem wurde schnell der Prozess gemacht. Armut und Hunger waren weit verbreitet. Doch genau so groß wie das Elend war auch die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit. In dieser Zeit lebten Maria und Josef. Ein junges Paar. Maria war schwanger und erwartete ihr erstes Kind.
Licht auf Maria geht langsam an.
M (spricht mit ihrem Kind) Jetzt ist es nicht mehr lange, mein Kind. Dann ist der große Tag. Seit ich diesen Traum mit dem Engel hatte, glaube ich, dass du ein besonderes Kind bist. Mit dir wird Gott etwas Neues beginnen. Mit dir wird unsere Sehnsucht nach einer neuen Welt wahr werden. Du mein Kind, du bist unsere Hoffnung. Mit dir wird alles anders werden.
Flötengruppe spielt „Seht, die gute Zeit ist nah" (EG 18)
Maria träumt weiter mit ihrem Kind. Josef kommt herzu, tritt mit raschem Schritt zu Maria auf das Podium
J Maria, Maria, hast du schon gehört. Der Kaiser Augustus hat einen Befehl erlassen. Alle müssen sich an ihrem Geburtsort in Steuerlisten eintragen lassen. Und das noch innerhalb der nächsten vier Wochen. Wir müssen nach Bethlehem. Aber gerade jetzt die weite Reise - wie soll das gehen? In deinem Zustand?
M (voll freudiger Überraschung) Bethlehem! Sagt nicht der Prophet Micha, dass der Friedenskönig in Bethlehem geboren wird. Es stimmt also! Unser Kind ist der Retter, den Gott uns versprochen hat.
J Du meinst, Gott hat es so gefügt, dass wir gerade jetzt nach Bethlehem müssen?
M Ja, unser Kind soll in Bethlehem zur Welt kommen. Und damit beginnt eine neue, herrliche Zeit, das Ende von Elend und Not. Gerne ziehe ich mit dir nach Bethlehem.
Josef und Maria bleiben stehen. Licht wird langsam dunkler.
Flötengruppe spielt „Seht, die gute Zeit ist nah" (EG 18)
Während des Flötenspiels steigen Maria und Josef vom Podest
herab und legen Reisekleidung an (Mantel, Umhängetuch).
2. Szene: Maria und Josef auf Herbergssuche
E Und so machten sich Maria und Josef voll Hoffnung auf den Weg nach Bethlehem. Nach zwei Wochen Reise zu Fuß standen sie vor den Stadtmauern von Bethlehem. Es ging auf den Abend zu.
Licht auf Maria und Josef geht langsam an.
J Schau, Maria. Die Stadtmauern von Bethlehem. (zeigt diese mit einer Geste). Wir sind am Ziel unserer Reise.
M Ja, und ich bin so froh. Sicher hat Gott einem frommen und guten Menschen in der Stadt unsere Ankunft angekündigt. Sicher werden wir bald das Haus finden, in dem unser Kind zur Welt kommt. Ich spüre es schon. Es dauert nicht mehr lange.
E So betraten Maria und Josef die Gassen von Bethlehem
Maria und Josef gehen in den Mittelgang hinein.
M Schau Josef, dies ist ein prächtiges Haus. Klopfe doch an der Tür und frage, ob wir hier Unterkunft finden.
Josef klopft an die Bank. Unter Wirtin1 geht das Licht an. Wirtin1 erscheint vorne an der Brüstung.
W1 Was wollt ihr?
J Wir suchen eine Unterkunft. Meine Frau wird bald ihr Kind zur Welt bringen. Es ist ein besonderes Kind. Der Retter...
W1 (barsch) Was kommt ihr gerade hierher, ihr asoziales Gesindel. Wisst ihr nicht, wessen Haus das Hier ist. Hier wohnt der Kaufmann Josaphat. Und der hat nichts zu verschenken, vor allem nicht an solche Hergelaufenen, wie ihr es seid. Schert euch fort!
Josef macht mit den Händen noch einen Versuch, Wirtin1 umzustimmen, aber Wirtin1 tritt zurück.
Licht auf Wirtin1 aus.
M Lass gut sein, Josef. Hier ist nicht der richtige Ort. Aber vielleicht das Haus dort drüben. Es sieht doch auch sehr vornehm aus.
Maria und Josef gehen ein Stück weiter im Mittelgang. Josef klopft wieder an die Bank.
Unter Wirtin2 geht das Licht an. Wirtin2 erscheint an der Brüstung.
W2 Was stört ihr mich?
J Wir kommen aus Nazareth und suchen eine Unterkunft. Meine Frau erwartet ein Kind. Ein besonderes Kind...
W2 Aus Nazareth seid ihr. Aus Galiläa. Das wird meinem Herrn, dem frommen Elieser nicht gefallen. Aus Galiläa. Dann seid ihr vielleicht sogar Heiden! Mit solchen Leuten wollen wir hier nichts zu tun haben. Galiläer, das sind doch alles keine rechten Juden. Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen! Schert euch fort!
Wirtin2 tritt zurück. Licht unter Wirtin2 geht aus.
Maria und Josef lassen enttäuscht die Köpfe hängen.
M (fasst auf ihren Bauch) Josef, es geht nicht mehr lange und das Kind kommt.
J Dort drüben ist ein Gasthaus. Ich frage dort. Dann kommt unser Kind eben in einem Gasthaus zu Welt und nicht in einem Palast.
Maria und Josef gehen wieder ein paar Schritte. Josef klopft erneut.
Unter Wirtin3 geht das Licht an und Wirtin3 erscheint an der Brüstung.
W3 Womit kann ich dienen?
J Wir suchen eine Unterkunft. Meine Frau erwartet ein Kind. Es kann jeden Augenblick losgehen.
W3 Eine Geburt - hier im Haus? Nein, das geht nicht! Vielleicht Geschrei die ganze Nacht. Was werden die anderen Gäste sagen? Und dann all das Blut auf meine schönen Leintücher? Nein, nein, hier im Haus kann keine Geburt stattfinden. (nach kurzer Pause) Was könnt ihr denn zahlen?
J Ein paar Schekel haben wir noch in unserer Reisekasse..
W3 Nein, nein. das reicht nicht für den ganzen Umstand. Zieht weiter, sucht einen anderen Platz.
Wirtin3 tritt zurück. Unter Wirtin3 geht das Licht aus.
Maria und Josef gehen enttäuscht wieder weiter nach vorne.
Josef klopft erneut.
Unter Wirtin4 geht das Licht an und Wirtin4 erscheint an der Brüstung.
J Guten Abend. Ist hier das Gasthaus Adler?
W4 Ja, was wollt ihr?
J Habt ihr ein Zimmer frei. Meine Frau erwartet ein Kind. Es ist dringend!
W4 Tut mir leid. Mein Haus ist voll.
J Aber wir brauchen dringend eine Unterkunft. Wisst ihr nicht etwas. Habt doch Mitleid mit uns!
W4 (überlegt) Hm. Dorthinten am Ende der Gasse habe ich noch einen Stall (zeigt in die Richtung). Dort könnt ihr meinetwegen unterkommen. Im Stroh habt ihr es wenigstens weich.
Wirtin4 tritt zurück. Licht unter Wirtin4 geht aus.
J Was sollen wir machen, Maria?
M Ich kann nicht mehr. Gehen wir besser in den Stall. Sonst bringe ich das Kind noch hier auf der Straße auf die Welt.
J Aber es sollte doch eine besondere Geburt werden. Wir haben sicherlich noch nicht das richtige Haus gefunden. Versuchen wir es doch noch weiter!
M Josef, ich kann nicht mehr. Gehen wir in den Stall. Ich möchte mich einfach nur noch hinlegen.
Maria und Josef gehen in den Stall, der vorne am Altar aufgebaut ist. Das Licht verfolgt sie und wird langsam schwächer.
E So brachte Maria ihr Kind zur Welt, im Stall. Das Kind, mit dem so große Erwartungen verbunden worden waren. Es wurde geboren in Dreck und Gestank. Sein Kinderbettchen war eine Futterkrippe.
Flötengruppe spielt „Seht, die gute Zeit ist nah"
Beleuchtung in der Kirche an.
Lied der Gemeinde: Stille Nacht (EG 46,1-3)
3. Szene: Die Hirten suchen das Kind
Beleuchtung in der Kirche aus.
Hirten gehen auf das Podest. Licht langsam an während der Erzähler spricht.
E In dieser Nacht waren Hirten auf einem Feld vor den Toren der Stadt. Sie hatten auf die Herden der reichen Viehbesitzer aufzupassen. Hirtenarbeit war nicht gut angesehen und schlecht bezahlt. Hirten waren arm und verachtet. Sie standen am Rand. Aber in dieser Nacht standen sie auf einmal im Mittelpunkt. Sie sahen und hörten etwas, das sie bisher noch nie erlebt hatten.
Orgel spielt: „Hört der Engel helle Lieder" (EG 54) - Hirten sind erstaunt, verblüfft, überrascht.
H1 Träume ich, oder habt ihr das auch gesehen?
H2 Das waren Engel! Ja, das waren Engel!
H3 Einen solchen Klang habe ich noch nie gehört.
H1 Habt ihr verstanden, was sie sagten?
H3 In Bethlehem ist der Retter geboren, der Messias. In Bethlehem beginnt eine neue Zeit.
H1 Und wo sollen wir das Kind finden? In einer Krippe?
H2 Das hast du wohl was falsch verstanden. Auf, gehn wir nach Bethlehem. Dort werden's die Leute schon wissen. Was die Propheten versprochen haben - heute wird es wahr! Das müssen wir sehen.
Flötengruppe spielt „Seht, die gute Zeit ist nah" - Währenddessen steigen die Hirten vom Podest herab, gehen den Mittelgang entlang ganz nach hinten zum Haus von Wirtin3.
H2 Hier klopfen wir am Haus des frommen Eliesers. Hier wird man bestimmt wissen, wo das Kind geboren ist. Wer weiß: Vielleicht ist es sogar sein Enkelkind.
Hirte1 klopft. Licht unter Wirtin2 geht an, der tritt nach vorne an die Brüstung.
W2 Was stört ihr mich mitten in der Nacht? Was wollt ihr?
H2 Wir haben Engel gesehen. Sie sagten uns: In Bethlehem ist der Messias geboren. Elieser kann uns doch sicher sagen, wo wir das Kind finden!
W2 Geht, lasst meinen Herrn in Ruh. Hier ist nichts passiert. Wir wissen von nichts. Und wenn der Messias kommt, dann bekommt Elieser das sicher als erstes mit. Schert euch davon und lasst mich schlafen!
Wirtin2 tritt zurück, Licht bei Wirtin2 aus.
H1 Haben wir uns getäuscht? Haben wir uns das alles eingebildet?
H3 Nein, das war doch so klar und deutlich.
H2 Kommt weiter. Fragen wir beim drüben beim Gasthaus. Dort weiß man vielleicht mehr.
Hirten gehen weiter zu Wirtin3.
Hirte2 klopft. Licht unter Wirtin3 geht an, der tritt nach vorne an die Brüstung.
W3 Ah, wollt ihr noch einen Schlummertrunk abholen. Ihr kommt aber spät. Habt Glück, dass ich noch auf bin.
H3 (etwas verlegen) Äh, wir haben gehört, dass es hier eine ganz besondere Geburt gegeben habe. Der Messias... Weißt du etwas?
W3 Der Messias. Glaubt ihr auch noch an dieses Märchen! Lasst mich in Ruh! Bei mir gibt es Wein, aber keinen Messias. Ein guter Scherz! (dreht sich um und winkt ab).
Wirtin3 tritt zurück, Licht bei Wirtin3 aus.
H3 Wie sollen wir das nun verstehen? Niemand weiß etwas.
H2 Auf, gehen wir weiter. Da vorne ist der Palast von Josaphat. Wenn irgendwo in Bethlehem ein angemessener Ort für die Geburt des Friedenskönigs ist, dann in seinem Palast.
Hirten gehen weiter zu Wirtin1.
Hirte2 klopft. Licht unter Wirtin1 geht an, der tritt nach vorne an die Brüstung.
W1 Was macht ihr hier so einen Lärm. Mein Herr wacht auf. Er wird die Wache auf euch hetzen, wenn ihr nicht augenblicklich still seid.
H2 Weißt du etwas von einer wunderbaren Geburt, die es heute Nacht gegeben haben soll?
W1 Ihr habt wohl zu tief ins Glas geguckt. Haut ab. Und macht ja keinen Lärm mehr.
Wirtin1 tritt zurück, Licht bei Wirtin1 aus.
H1 Gehn wir. Wir haben uns getäuscht.
H2 Ein letztes Mal noch fragen wir. Dort bei der Adlerwirtin. Wenn die nichts weiß. Dann gehen wir wieder zurück zu unsrer Herde.
Hirten gehen weiter zu Wirtin4.
Hirte2 klopft. Licht unter Wirtin4 geht an, der tritt nach vorne an die Brüstung.
H2 Adlerwirtin, wir haben gehört, heute Nacht soll ein Kind hier in Bethlehem geboren sein. Ein besonderes Kind...
W4 Ich weiß von keinem Kind (dreht sich schon um, wendet sich dann aber wieder zurück zu den Hirten). Doch, da fällt mir ein. Da haben vor ein paar Stunden Leute nach Unterkunft gefragt. Die Frau war hochschwanger. Ich hab sie in meinen Stall geschickt. Hinten am Ende der Gasse ist er. Aber Besonderes war an denen nicht.
H3 Gute Nacht, Adlerwirtin. Verzeih die Störung.
W4 Ist schon gut. Eine gute Nacht wünsch ich euch auch.
Wirtin4 tritt zurück, Licht bei Wirtin4 aus.
H2 Jetzt haben wir schon so lange gefragt. Jetzt schauen wir auch noch in diesem Stall nach.
Licht geht langsam aus.
Flötengruppe spielt „Seht, die gute Zeit ist nah"
4. Szene: Die Hirten im Stall
Licht langsam wieder an. Hirten gehen langsam nach vorne zur Krippe hin.
Maria und Josef schlafen
H3 Dort liegt ein Kind. Und das sind wohl die Eltern.
H1 Sagten nicht die Engel: Das Kind wird in der Krippe liegen.
H3 Ja, du hast recht.
H1 Hier ist also der Friedenskönig geboren. Hier im Stall.
H2 Das kann nicht sein. Was ist das für ein Friedenskönig, der im Stall geboren wird!
Josef reckt sich im Schlaf
H1 Leise, wir wecken sie auf.
Josef wacht auf, dann auch Maria. Beide setzen sich auf.
J Wer seid ihr?
H1 Wir sind Hirten. Engel sind uns erschienen und haben uns gesagt: In Bethlehem ist der Messias geboren, der Retter, der Friedenskönig, den die Propheten angekündigt haben. Wir haben ihn gesucht.
H2 Aber niemand wusste etwas von einer besonderen Geburt. Bis wir jetzt zu euch gefunden haben.
M Dann stimmt es also doch. Auch uns sind Engel erschienen und haben uns angekündigt, dass unser Kind von Gott kommt und dass Gott mit diesem Kind etwas Neues beginnt. Eine neue Zeit...
H2 Aber hier im Stall?
Ein Moment Schweigen, dann Josef entschlossen, wie wenn ihm plötzlich etwas klar geworden wäre
J Ja, hier im Stall. Offenbar wollte Gott, dass alles hier im Mist und im Dreck, in der Kälte und im Dunkeln beginnt.
H3 Dass alles dort beginnt, wo wird hausen müssen, in Elend und Not.
H1 Gott kommt in einem Kind zu uns. Er kommt wirklich zu uns. Kommt zu uns in unser Elend. Darum musste das Kind hier im Elend geboren werden. Weil auch wir im Elend leben.
J Und darum erschienen die Engel auch nicht den Reichen und Frommen, sondern euch Hirten..
M Ich fange an zu verstehen, was diese Geburt im Stall bedeutet: Gott kommt zu uns, nicht mit Glanz und Gloria. Er kommt zu uns und teilt unser Elend. Ab jetzt gibt es kein Elend mehr, in das Gott nicht Licht bringen kann. Ab jetzt gibt es keine Dunkelheit mehr, die ohne Hoffnung ist.
Licht geht langsam aus
Flötengruppe spielt: „Seht, die gute Zeit ist nah"
Beleuchtung in der Kirche wieder an.
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