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Geschichten,
Erzählungen, Gleichnisse, Krippenspiele
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der Evangelischen Kirchengemeinde Schmieheim und Wallburg |
Auf der Flucht nach Ägypten - Krippenspiel für einen Familiengottesdienst an Weihnachten
Im Anschluss an eine Erzählung von Selma Lagerlöf und ein Krippenspiel
von Martina Kühn (vgl. Weihnachten Spielen - Gemeindespiele zu Weihnachten;
Versuche 13; hrg. von der Beratungsstelle für Gestaltung von Gottesdiensten
und anderen Gemeindeveranstaltungen Frankfurt, Eschenheimer Landstraße
565, 60431 Frankfurt)
Die Darsteller/innen sollten Jugendliche oder Erwachsene sein.
(Ur)Aufgeführt in Schmieheim
am 24.12.2001
Die Rollen
Erzähler/in (steht am Lesepult seitlich)
Palme (steht auf der Kanzel mit einer grünen Blätterkrone)
Beduine 1 (kommt zunächst von hinten durch den Gang)
Beduine 2 (kommt zunächst von hinten durch den Gang)
Königin von Saba (steht auf der Treppe zur Kanzel)
Salomo (steht auf der Treppe zur Kanzel)
Maria (zunächst auf der Empore)
Josef (zunächst auf der Empore)
Herodes (auf der Empore vorne links)
Hauptmann (zunächst in der Sakristei)
Triangel- und Xylophonspieler (vorne links)
Licht aus
Erzähler/in: Fern in einer der Wüsten des Morgenlandes wuchs vor vielen, vielen Jahren eine Palme. (Licht auf Palme ein) Sie war ungeheuer groß und ungeheuer alt.
Beduine1 und Beduine2 kommen den Mittelgang herein gelaufen und bleiben vor den Stufen in der Mitte stehen. Licht geht auf die Beduinen.
Beduine1: Jetzt bin ich auf meinen Reisen schon durch viele Länder gekommen. Aber eine Palme wie diese (zeigt auf die Palme), habe ich noch nirgendwo gesehen. Sie wächst und gedeiht, obwohl hier nirgendwo Wasser ist. Jahr für Jahr trägt sie Datteln in Fülle.
Beduine2: Es heißt, früher sei hier einmal eine Oase gewesen. Aber es ist nichts mehr davon zu sehen. Die Quellen sind versiegt, alle anderen Bäume vertrocknet. Die Menschen haben diesen öden Ort verlassen.
Beduine1: Diese Palme ist ein wahres Wunder. Kein Wasser. Und dennoch ist sie grün und kräftig!
Beduine2: Es heißt, sie steht hier schon seit 1000 Jahren.
Beduine1: Wer sie wohl einst gepflanzt hat?
Beduine2 zuckt mit den Schultern. Beduinen gehen weiter Richtung Altar und verschwinden in der Sakristei. Licht geht aus. Palme verlässt die Kanzel.
Erzähler/in Ja, wer hat sie wohl einst gepflanzt hat? Es war wirklich 1000 Jahre zuvor gewesen. Triangel wird dreimal angeschlagen. Damals war die Königin von Saba bei dem weisen König Salomo zu Besuch. Licht geht an auf die Kanzel, wo die Königin von Saba und Salomo auftauchen. Auf dem Rückweg in ihr Land begleitete Salomo die Königin bis in eine Oase. Doch dort musste sie sich nun von Salomo verabschieden.
Königin: Gern war ich dein Gast, edler Salomo. Und schwer wird es mir, wenn ich aus diesem Land scheiden muss. Zur Erinnerung an diese Stunde pflanze ich hier einen Dattelkern in die Erde. Aus ihm soll eine Palme wachsen, und sie soll wachsen und grünen bis im Lande Juda ein König geboren wird, der größer ist als du, Salomo. Steckt einen Kern in die unsichtbare Erde
Salomo: Ich danke dir, Königin. Möge dein Wunsch in Erfüllung gehen und Juda in Ewigkeit Frieden haben, Juda und alle Völker dieser Erde.
Königin: So soll diese Dattelpalme wachsen und grünen, bis einst der Friedenskönig kommt, der dieser Welt den Frieden Gottes bringt.
Licht geht aus. Triangel wird dreimal angeschlagen. Palme tritt wieder auf die Kanzel.
Erzähler/in: So war das gewesen damals. Und seitdem war die Palme gewachsen, immer größer wurde sie und immer stolzer. Schon lange war die Oase zerfallen. Die Palme aber wuchs immer noch. Alle, die durch die Wüste zogen, mussten stehen bleiben, um diese Palme zu betrachten. Aber nicht viele Menschen kamen an der Palme vorbei. Wer nicht unbedingt musste, nahm nicht den beschwerlichen Weg durch die Wüste.
Wie nun diese große Palme in ihrer Einsamkeit dastand und hinaus über die Wüste schaute, sah sie eines Tages etwas Besonderes am Horizont. Ihre Neugier brachte sie dazu, ihre gewaltige Blätterkrone vor Staunen auf dem schmalen Stamm hin und her zu wiegen. Palme wiegt sich hin und her
Palme: Was bewegt sich da in der Ferne? Es sind zwei Menschen! Aber es sind Fremde, keine Leute von hier. Die müssen ja verrückt sein! Wer ohne Führer hier durch die Wüste zieht, wird sich verirren. Die beiden müssen hierher gekommen sein, um zu sterben. Wie kann man nur so unvernünftig sein.
Aber seltsam: Ich habe noch keinen Aasgeier gesehen, dabei brennt die Sonne schon ziemlich heiß. Und die Brüder Aasgeier wissen sonst immer, wo es etwas für sie zu holen gibt.
Erzähler/in: Die Palme versuchte, an etwas anderes zu denken. Aber im ganzen Umkreis fand sich nichts, was sie nicht schon seit Hunderten von Jahren betrachtet hätte. Nichts konnte ihre Aufmerksamkeit mehr fesseln, als diese beiden Menschen, die langsam näher kamen. Immer wieder wanderte ihr Blick hinüber zu diesen beiden jämmerlichen Gestalten.
Licht wandert von der Palme an der Decke entlang zu Maria und Josef, die an der Orgelempore aufgetaucht sind.
Erzähler/in: Jetzt waren die beiden Menschen schon soweit näher gekommen, dass die Palme die beiden Menschen erkennen konnte. Es war eine Frau und ein Mann. Die Frau hatte noch ein Bündel dabei, in das war ein ganz kleines Kind eingewickelt.
Maria: Josef, ich kann nicht mehr. Ich halte die Hitze nicht mehr aus.
Josef: Hier Maria, nimm etwas Wasser.
Maria: Wenn wir nicht bald etwas zu essen finden, ist es aus mit uns. Ich habe schon keine Milch mehr für das Kind.
Ich glaube, den Weg haben wir auch verloren.
Josef: Schau Maria, da vorne steht eine Palme. Vielleicht ist dort eine Oase.
Maria und Josef gehen auf der Empore ab, das Licht wandert zur Palme.
Erzähler/in: Als die Palme die beiden mit dem Kind näher kommen sah, entrüstete sie sich.
Palme: Da hört sich doch alles auf. Da haben diese beiden Verrückten doch tatsächlich ein Kind bei sich. Sie müssen den Verstand verloren haben. Das Kind ist ja nicht einmal richtig gegen die Sonne geschützt. Der arme kleine Wurm. Und dann sind sie ohne Führer unterwegs. Sie werden in der Wüste vor Hunger und Durst umkommen. Armes Kind, das solche leichtsinnigen Eltern hat.
Erzähler/in: Auf einmal hörte die Palme ein wunderbar melodisches Rauschen durch ihre Krone eilen. Die Spitzen aller Blätter bebten. Palme wiegt sich hin und her. Xylophon untermalt dies. Sie wusste nicht was mit ihr vorging. Es musste mit den Fremden zu tun haben, die auf sie zukamen. Die Palme wurde auf einmal nachdenklich. Besonders das Schicksal des Kindes rührte sie an.
Palme: Kein Mensch kann so unvernünftig sein, einfach so in die Wüste zu gehen. Kein Feind, kein Sturm, kein Unwetter kann grausamer sein als die Wüste. Irgendetwas hat sie vielleicht hierher getrieben. Wenn ich sie mir genau betrachte, sehen sie gehetzt aus. Sie scheinen schon lange auf den Beinen zu sein. Ob sie vielleicht fliehen mussten?
Erzähler/in: Ja, die beiden, die mit ihrem Kind da durch die Wüste zogen, waren auf der Flucht. Aber das konnte die Palme nicht wissen.
Licht aus. Triangel schlägt dreimal an.
Die beiden wurden nämlich verfolgt von König Herodes. Ihn konnte kaum einer an Grausamkeit überbieten.
Licht geht an auf König Herodes, der vorne links auf der Empore steht. Unten im Gang tritt dann der Hauptmann auf.
Herodes: (schreit!) Hauptmann. Wo bist du?
Hauptmann: (kommt herein, macht einen Diener). Hier bin ich, hochgelobter König Herodes.
Herodes: Diese drei Sterndeuter, die vor ein zwei Wochen hier waren - wo sind sie?
Hauptmann: Ich denke, sie sind nach Bethlehem gegangen, wie Ihr ihnen aufgetragen habt, hochgelobter König Herodes.
Herodes: Sie versprachen zu mir zurückzukommen. Aber sie sind nicht mehr gekommen.
Hauptmann: Nein, hochgelobter König Herodes.
Herodes: (nachdenklich bei sich selbst) Ob sie den neugeborenen König vielleicht gefunden haben? Ob da wirklich ein Kind geboren ist, das mir und meinen Söhnen einmal den Thron streitig machen wird. Verdammt noch mal! (zum Hauptmann gewandt) Hauptmann! Nimm einen Trupp Soldaten, reite im Eiltempo nach Bethlehem. Und dort töte jeden neugeborenen Jungen, den du finden kannst. Alle Jungen bis zum Alter von zwei Jahren. Alle! Keine Ausnahme! Hast du mich verstanden?
Hauptmann: Ja, hochgelobter König Herodes. Wie du befiehlst, so folgen wir.
Hauptmann geht ab und nimmt das Mikro mit nach hinten. Licht auf Herodes geht aus.
Erzähler/in: So war das gewesen. Zum Glück wurde Josef von einem Engel im Traum gewarnt. Darum konnte er noch rechtzeitig fliehen. Nur weg von Herodes! Es blieb nur der Weg durch die Wüste nach Ägypten. So war das gewesen.
Triangel schlägt dreimal an. Inzwischen kommen Maria und Josef den Mittelgang entlang.
Erzähler/in: Inzwischen waren die beiden Fremden mit dem Kind näher gekommen.
Palme: Ich höre meine Blätter immer stärker rauschen, und es klingt traurig wie ein Totengesang. Xylophon spielt einige traurige Klänge. Es ist, als weissagten die Blätter, dass jemand bald aus dem Leben scheiden müsse. An ja, es werden wohl diese armen Leute sein, die hier durch die Wüste irren.
Josef: Sieh nur Maria! Unser Leid hat ein Ende. Dort ist eine Oase.
Maria: Ja, Josef, beeilen wir uns. Ich komme um vor Hunger und Durst. Unser Sohn ist auch schon ganz schwach.
Maria und Josef laufen nach vorne. Suche nach Wasser.
Erzähler/in: Als sie die Oase endlich erreicht hatten, war die Verzweiflung groß, denn die Quelle war ausgetrocknet.
Josef: (hämmert mit den Fäusten auf den Boden) Oh Maria. Hier ist nichts. Und wir haben bald kein Wasser mehr. Was soll bloß aus uns werden? Wir werden sterben!
Palme: Es rauscht immer mächtiger in meinen Blättern. Kurze, aber heftige Xylophonklänge. Diesen armen Flüchtlingen schlägt wohl schon bald ihr letztes Stündlein.
Maria: Gott wird und beistehen. Hab Mut, Josef, und vertraue ihm.
Josef: Wir haben nichts mehr zu essen und bald nichts mehr zu trinken. Wie soll Gott uns beistehen?
Erzähler/in: Da ging wieder ein Rauschen durch die Bläter der Palme, diesmal noch stärker und gewaltiger als vorher. Xylophonklänge.
Maria: (blickt nach oben) Oh, sieh nur, Josef! Datteln, viele große, saftige Datteln hängen an der Palme!
Erzähler/in: Doch wie sollten Maria und Josef die Datteln in einer solchen Höhe erreichen. Die Palme wünschte sich in diesem Moments nichts mehr, als so klein zu sein wie ein Busch.
Josef: Sehne dich nicht nach dem Unmöglichen, Maria! Du wirst diese Datteln nie erreichen.
Erzähler/in: Da begann Maria wieder zu weinen. Und das Kind in ihren Armen erwachte. Es schlug die Augen auf und blickte die Palme an. Und während die junge Frau verzweifelt Gott um Hilfe bat, liefen dem Neugeborenen Tränen über die Wangen. Doch kein Laut war aus seinem Mund zu hören. Es schaute nur unverwandt die große Palme an. Das schmerzte den Baum sehr. Und er hatte nur noch den einen Wunsch, diesen Menschen helfen zu können. Dabei fühlte er sich aber so unendlich ohnmächtig.
Da, mit einem Mal, spürte die Palme ein Zittern durch ihren mächtigen Stamm ziehen. Und ohne dass sie wusste, wie ihr geschah, neigte sich ihre Krone unter Ächzen und Stöhnen fast bis zur Erde.
Palme neigt sich mit einem Zweig voll Datteln hinunter. Maria und Josef pflücken Datteln und essen sie.
Erzähler/in: So konnten Maria und Josef die Datteln pflücken und davon essen. Da versiegten die Tränen des Kindes, und es schlief ein.
Josef: Wie konnte das geschehen? Ich habe keinen Wind gespürt, der so stark gewesen wäre, dass er diese Palme hätte beugen können.
Du wirst es nicht glauben, Maria, aber es sah aus, als ob sich die Palme vor unserem Sohn verneigt hätte. Als wäre er ein König.
Maria: Was es auch war, Josef, lass uns Gott danken, dass er unser Leben gerettet hat.
Josef: Ja, Gott sei Dank.
Und nun lass uns weiterziehen. Nun fürchte ich nichts mehr, denn ich weiß, Gott ist bei uns.
Maria und Josef ziehen weiter und gehen hinter den Bogen ab. Die Palme lässt ihre Blätter hängen.
Palme: Jetzt weiß ich, für wen meine Blätter diese Todesmelodie spielen: Nicht für diese Menschen... Palme lässt sich ganz hängen.
Beduine1 und Beduine 2 kommen herein. Licht geht auf Beduinen
Erzähler/in: Als die Beduinen wieder einmal bei der Palme vorbeikamen, sahen sie, dass die Blätterkrone der mächtigen Palme verwelkt war. Die Palme war nur noch totes Holz.
Beduine1: Wir kommen wieder zur Palme.
Beduine2: Aber schau, sie ist verwelkt und abgestorben. War der Wind doch zu heiß für sie und das Wasser zu knapp.
Beduine1: Ich habe gehört, die Palme würde grünen, bis sie den Friedenskönig gesehen habe. Und jetzt ist sie doch abgestorben. Gibt es denn keien Hoffnung mehr in der Welt?
Beduine2: Wer weiß, vielleicht hat sie den Friedenskönig ja gesehen?
Licht aus.
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