Geschichten, Erzählungen, Gleichnisse, Krippenspiele
von Matthias Kreplin, Pfarrer in Schmieheim und Dekan des Evang. Kirchenbezirks Lahr


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Markuskirche Schmieheim

Theolmat

Weihnachten aus Sicht der Engel - Krippenspiel für einen Familiengottesdienst an Weihnachten

Die Darsteller/innen sollten Jugendliche. Das Krippenspiel kann durch Gemeindelieder unterbrochen werden.

Uraufgeführt in Schmieheim am 24.12.2003


Szenenbild: Eine Wolke, hinter der Wolke ein Podest, das nicht einzusehen ist.
Auf dem Podest vorne spielen drei Engel - Personen mit großen Masken - ihre Stimmen werden von anderen gesprochen.
Unter und vor dem Podest spielen die Menschen - ohne Masken

Sprechrollen:

G Gabriel
M Michael
R Raphael

Spielrollen mit Masken

G Gabriel
M Michael
R Raphael

Spielrollen ohne Masken

Ma Maria
J Josef


1. Szene: Das Böse und Hoffnung auf Erlösung

Licht geht langsam an auf die Wolke

G Erscheint auf der Wolke, schaut in das Kirchenschiff, schüttelt den Kopf, hält inne, schüttelt wieder den Kopf.

M Erscheint ebenfalls auf der Wolke, legt G zur Begrüßung eine Hand auf die Schulter.
Gabriel, ich suche dich. Aber mir war ja klar, dass ich dich hier auf der Aussichtswolke finden würde. Du kannst es einfach nicht lassen. Du musst immer schauen, was die Menschen da unten machen. Kannst du nicht einfach ein Engel sein, wie alle anderen auch? Komm mit, wir müssen das große Halleluja anstimmen!

G Nein, mir ist nicht nach Halleluja zu Mute. Schau doch nur, was dort unten abgeht - Zeigt mit einer ausladenden Armbewegung auf die Menschen im Kirchenschiff.

Schau dort! - Zeigt auf einen Punkt weiter hinten - Dort ist ein Mann, der seine Frau und seine Kinder schlägt. Er kommt einfach nicht mehr mit sich und der Welt zurecht. Und dann trinkt er und im Zorn auf sich selbst schlägt er seine Frau und seine Kinder.
Oder schau dort! - Zeigt auf einen anderen Punkt weiter hinten - Da ist ein Junge, der Hunger leidet. Er hat ein Brot gestohlen. Aber der Bäcker hat ihn erwischt und halb tot geprügelt. Jetzt liegt er im Straßengraben und keiner ist da, der sich um ihn kümmert.
Oder schau dort! - Zeigt wieder auf einen anderen Punkt - Da ist ein Soldat, der einen alten Mann verprügelt. Er hat im letzten Gefecht seinen besten Freund verloren und jetzt schlägt er auf alle ein, die sich ihm in den Weg stellen.
Oder dort... - zeigt auf einen anderen Punkt.

M Lass gut sein Gabriel - drückt sanft Gs Arm herunter - Ich weiß, wie schlimm es dort unten auf der Welt zugeht.

G Es ist zum Heulen!

M Nein, heulen hilft nichts! Gott, der Allmächtige, müsste einmal mit Blitz und Donner dreinschlagen. Er müsste die Abgründe der Hölle öffnen und alle Bösen dort hinein werfen. Er müsste endlich Aufräumen auf dieser bösen Welt! Er soll mich nur mit meinem Engelheer schicken. Ich würde schon für Ordnung sorgen.

G Ich weiß nicht. Und wer blieb dann noch übrig? Schau dir den Mann an, der seine Frau und seine Kinder schlägt. - Zeigt auf den ersten Ort - Ist er böse? Oder ist er nicht vielmehr verzweifelt? Oder schau dir den Soldaten an, der so voll Hass ist. - Zeigt auf den letzten Ort - Ist er böse? Oder ist er nicht vielmehr voll von Trauer über den Tod seines Freundes? Wer ist den wirklich böse auf dieser Welt?

M Die Mächtigen sind böse. Sie hätten die Macht, für eine gerechtere Welt zu sorgen. Sie könnten die Welt verändern. Darum muss es auf der Welt anders werden. Gott, der Allmächtige, muss die Mächtigen vom Thron stoßen, er muss ihnen ihre Macht nehmen und den Armen und Schwachen zur Macht verhelfen. Es braucht gerechte und gute Herrscher. Dann wird sich alles ändern!

G Glaubst du das? Es sind schon so viele Könige gestürzt worden, aber nur selten hat das die Lage wirklich verbessert. Denn das Böse steckt doch in jedem Menschen. Und wenn einer zur Macht kommt, dann missbraucht er seine Macht so schnell. Es braucht etwas ganz anderes! Die Menschen müssen heil werden von innen heraus! Die Angst, die Traurigkeit, die Verzweiflung, dass alles muss geheilt werden und dann werden die Menschen auch anders. Ein guter Baum bringt gute Früchte. Wenn es den Menschen innen drin gut geht, wenn sie Güte und Liebe in sich tragen, dann werden sie auch gut.

R Erscheint auf der Kanzel - Gabriel, Michael, hier seid ihr! Ich suche euch schon die ganze Zeit! Habt ihr schon gehört? Gott, der Allmächtige, hat einen Beschluss bekannt gegeben. Er will die Menschen heilen von der Macht des Bösen. Er will selbst auf die Erde kommen.

Licht aus

Gemeindelied: Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18,1+2)

2. Szene: Maria wird ausgesucht

R und M auf der Wolke , Ma auf einem Stuhl auf dem niedrigen Podest vorne beim Nähen - Licht an

M Ich kann es immer noch nicht glauben. Gott will zu den Menschen kommen. Er will selbst Mensch werden. Er will in die Welt kommen als ein Kind, das geboren wird. Er der Allmächtige macht sich ganz ohnmächtig! Wenn das mal nicht schief geht!

R Ich habe gehört, er hat Gabriel geschickt. Er soll der Frau erscheinen, die Gottes Sohn zur Welt bringen soll. Siehst du ihn dort unten irgendwo? - R und M schauen sich suchend um

M Ich seh ihn nicht, aber dort hinten sehe ich eine edle Königstochter. - zeigt auf einen Punkt weiter hinten - Sie wird einmal ein mächtiges Reich erben. Und sie ist gut in ihrem Herzen, sie sorgt sich um ihr Volk. Sie bemüht sich um Gerechtigkeit. Die wäre doch sicher eine gute Mutter für den Gottessohn. Ganz gewiss ist Gabriel auf dem Weg zu ihr. - Pause - Aber ich sehe ihn nicht.

R Ja, vielleicht hat Gott sich auch eine andere ausgesucht. Eine die klug ist und gebildet. Die sich auskennt in den heiligen Schriften. Schau mal dort! - Zeigt auf einen Punkt weiter hinten - Diese da ist doch eine ideale Mutter für den Gottessohn. Eine wirklich besondere Frau. Gebildet, aber nicht eingebildet. Fromm und mit einem guten Herzen. Sicher ist Gabriel schon auf dem Weg zu ihr. - Pause - Komisch. Ich seh' ihn gar nicht. - Beide suchen das Kirchenschiff ab.

G tritt vorne im Kirchenschiff auf das niedrige Podest, Ma erkennt ihn noch gar nicht und nährt weiter, noch nicht im Licht.

M Da, Raphael, dort ist Gabriel. - zeigt direkt unter sich auf den Boden. Licht geht auf G und Ma.

R Was macht er nur da? Ist das nicht Nazareth, dieses kleine Kaff in Galiläa? Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?

M Bei wem ist er denn da? Ist das nicht Maria, dieses junge Mädchen, das dem Josef versprochen ist? Aber das kann doch nicht sein. Gabriel muss sich täuschen. An Maria ist doch gar nichts Besonderes!

G Zu Ma - Sei gegrüßt Maria! Fürchte dich nicht! - Jetzt erst nimmt Maria den Engel wahr und springt erschrocken von ihrem Stuhl auf. Dich, Maria, hat Gott ausgesucht. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. In deinem Kind wird Gott selbst in diese Welt kommen, um zu heilen, was verletzt ist, und um Licht in alle Dunkelheit zu bringen. Darum soll dein Sohn Jesus heißen - das bedeutet: Gott hilft uns, er lässt uns nicht im Stich. Hab keine Angst Maria! Gott braucht dich! Er hat dich ausgesucht. Ma macht eine Bewegung des Einverständnisses.

M Licht geht wieder zu den Engeln aufs Podest. G und Ma im Dunkeln. G geht ab. - Hast du das gesehen? Gabriel ist wirklich zu dieser Maria gegangen!

R Das muss er uns jetzt erklären. - Ruft zu G - Gabriel komm her, komm sofort her!

- G erscheint bei R und M auf dem Podest - Sag, warum bist du ausgerechnet zu dieser Maria gegangen?

G Gott hat mich zu dieser Maria geschickt und zu mir gesagt: „Gabriel, die Menschen meinen manchmal, sie seien nur etwas wert, wenn sie jemand Besonderes wären. Sie denken manchmal, ihr Leben sei nur sinnvoll, wenn sie jemand Großes und Berühmtes wären. Wie sehr sie sich doch täuschen! Jeder Mensch ist mir wichtig! Jeden Menschen liebe ich! Darum geh du zu Maria, an der so gar nichts Besonderes ist. Sie soll meinen Sohn zur Welt bringen, damit alle wissen: Bei Gott muss man nichts Besonderes aus sich machen, bei Gott sind alle etwas Besonderes. Bei Gott muss man sich nicht erst wichtig machen, bei Gott sind alle wichtig. Für Gott ist jedes Leben sinnvoll und wertvoll. Wenn das die Menschen spüren, dann wird ihr Herz geheilt!"

Licht aus

Gemeindelied: Es ist ein Ros entsprungen (EG 30,1-3)

3. Szene: Maria und Josef auf Herbergssuche

G auf dem Wolkenpodest - Licht an - G schaut in den Mittelgang und schüttelt immer wieder den Kopf. R kommt dazu.

R Du kannst es nicht lassen, Gabriel. Ich suche dich im Chor und finde dich nicht. Da hab ich mir natürlich gedacht, dass du hier bist. Du bist ja seit ein paar Wochen fast nur noch hier.

G Ich muss doch schauen, was aus Maria und Josef und dem Kind wird.

R Und, was hast du arrangiert für sie? Gott, der Allmächtige, hat dir doch sicher den Auftrag gegeben, alles vorzubereiten für die Geburt des Kindes.

G Nein, hat er nicht!

R Nein, warum denn nicht? Ist jemand anderes eingeteilt worden?

G Nein, soweit ich weiß nicht. Gott lässt alles einfach so laufen. Er überlässt Maria und Josef einfach ihrem Geschick. Ich habe ihn angefleht und zu ihm gesagt: „Himmlischer Vater, du musst doch acht geben auf Maria, die Welt ist so gefährlich." - Aber er hat nur zu mir gesagt: „Keine Sonderbehandlung! Hab ein Auge auf sie, aber greife nicht ein!" - Und darum bin ich jetzt auch fast die ganze Zeit hier und schaue, wie es ihnen ergeht.

R Und wie läuft es so?

G Ganz elend. Maria und Josef mussten von Nazareth nach Bethlehem, weil der römische Kaiser den Befehl zu einer Volkszählung gegeben hat. Da will einer der Mächtigen wissen, wie viele Soldaten er zur Verfügung hat und wie viele Steuern zu erwarten sind, und schon müssen alle sich in Bewegung setzen. Die reine Willkür! Auch Maria und Josef sind davon betroffen. Und dabei ist Maria doch hoch schwanger.

R Aber Josef kommt doch aus Bethlehem. Der wird dort doch Verwandte haben, die das junge Paar aufnehmen.

G Nichts dergleichen! Seine Verwandtschaft ist schon längst gestorben. Und da schau! - Zeigt mit dem Finger in den Mittelgang - Dort kommen Maria und Josef. Sie sind völlig erschöpft. Und haben keine Unterkunft in Bethlehem.

Ma und J kommen von hinten den Mittelgang nach vorne gelaufen - Licht geht auf M und J - M und J klopfen an die Bänke und bitten mit Gesten um Einlass. Werden aber offenbar abgewiesen und gehen weiter.

G Sieh es dir an: Sie finden keinen Platz zum Schlafen. Dabei muss das Kind doch jeden Augenblick kommen. Ich würde ja so gerne los und ihr Schutzengel sein. Aber Gott, der Allmächtige, hat es mir ausdrücklich verboten.

R Seit wann ist er denn so hart und grausam? Und noch dazu, wo es um seinen eigenen Sohn geht?!

G Er hat zu mir gesagt: „Wenn mein Sohn in die Welt kommt, dann muss es im größten Elend und Dreck sein, in der größten Tiefe. Damit alle Menschen wissen: Auch in der größten Not ist Gott noch bei ihnen. Ich will das Leben der Menschen teilen, auch im Leid. Damit sie wissen: Auch dann bin ich noch bei ihnen." Darum hat er mir verboten einzuschreiten.

M kommt auf die Kanzel.

M Ah, wie sieht's denn aus bei Maria und Josef?

R Ganz übel sieht es aus. Wenn es so weiter geht, stirbt das Kind, bevor es auf der Welt ist.

M Keine Sorge, ich hab einiges vorbereitet.

R+G Was hast du?!

M Ich habe die Anordnung des Allmächtigen gehört, dass niemand den beiden helfen darf. Aber ohne Gottes Hilfe kann doch kein Mensch überleben! Darum habe ich zwei ganz kleine Schutzengelchen losgeschickt. Die haben dort unten einen Stall gerichtet, mit einem Esel und einem Ochsen, da ist es wenigstens etwas warm. Und mit viel Stroh, damit Maria weich liegt bei der Geburt. Und außerdem hab ich dafür gesorgt, dass es heute Nacht nicht so kalt und windig sein wird wie sonst in dieser Jahreszeit. Es ist noch hart genug so ein Kind zur Welt zu bringen. - Zeigt nach unten auf Maria und Josef - Schaut, Maria und Josef haben den Stall gefunden.

Maria und Josef lassen sich auf den Stufen nieder, dort steht auch ein Ochse

R Ganz schön viel nehmen die beiden da auf sich, um ihr Kind durchzubringen. Ganz schön viel nimmt Gott auf sich, um den Menschen nahe zu sein!

Licht geht langsam aus.

Gemeindelied: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen (EG 56,1-5)

4. Szene: Die Engel bei den Hirten auf dem Feld

G und M auf dem Podest - Licht geht langsam auf sie an - R kommt dazu

R Gabriel, Michael, habt ihr schon gehört. Wir sollen kommen. Der ganze himmlische Chor soll kommen und singen. Der Gottessohn ist geboren, wir sollen den Menschen die frohe Botschaft bringen.

G Ja, fliegen wir in die Hauptstädte dieser Welt und verkünden wir überall: Gott hat euch Menschen den Retter geschickt. Er ist selbst zu euch gekommen in einem Kind.

R Äh - Gabriel, ich glaube du wirst enttäuscht sein. Wir sollen nicht in die Hauptstädte fliegen. Wir sollen zu den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem. Zu denen die dort unten sind - Zeigt mit dem Arm auf die Menschen im Kirchenschiff - Und auch zu den Hirten dort auf den Bergen - Zeigt mit dem Arm auf die Menschen auf den Emporen.

M Zu denen? Die können ja nicht einmal lesen und schreiben. Die sind doch völlig ungebildet und unfähig, diese Botschaft weiter zu sagen. Bist du ganz sicher, dass Gott uns gerade zu denen schickt? Die ganze Welt muss es doch erfahren, und nicht nur die paar Hirten hier.

R Ja, Gott hat gesagt: „Geht zu den Hirten und verkündet ihnen: Euch ist heute der Retter geboren. Ihr findet ihn in Bethlehem in einem Stall. Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!" So hat er es gesagt.

M Und du glaubst, dass die armseligen Gestalten ausreichen, um die Botschaft in die ganze Welt hinaus zu tragen?

R Gott hat es so gesagt. Er hat gemeint: Gerade die Schwächsten, gerade die Menschen, denen es elend geht, werden am ehesten verstehen, was heute geschieht. Und in ihnen wird eine Hoffnung wachsen, die ihnen Kraft gibt, über sich selbst hinaus zu wachsen und die Botschaft in die Welt hinein zu tragen.

M Wir werden ja sehen, ob diese Menschen die Freude und die Hoffnung in die Welt hinein tragen können. Wenn ich mir die so ansehe - Zeigt mit dem Finger über die Menschen in der Kirche - hab ich da so meine Zweifel.

G Ja, Michael, hab du nur deine Zweifel. Aber ich weiß, wenn Gott den Menschen etwas zutraut, dann können sie es auch. Auch die da, werden die Freude und die Güte weitertragen. - Zeigt über die Menschen in der Kirche - Auch die da werden dafür einstehen, dass Gott uns nicht im Stich lässt. Damit kannst du rechnen.

R Kommt, lasst uns nun endlich den Lobgesang anstimmen. Und vielleicht singen die Menschen ja mit.

Licht aus

Gemeindelied: Hört der Engel helle Lieder (EG 54,1-3)



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